Managed Care – Argumente gegen ein Referendum
Managed Care – Argumente gegen ein Referendum
Mit der Managed Care- Vorlage hat das Parlament einen wichtigen Systemwechsel in der Gesundheitspolitik initiiert und in jahrelangem Ringen nun die Förderung integrierter Versorgungsnetze beschlossen. Die verabschiedete Vorlage ist ein Kompromiss. Die SP hat wichtige Teilerfolge erzielt, doch einige unserer Vorschläge wurden abgelehnt. Dennoch bin ich überzeugt: In der Schlussbilanz überwiegen die Vorteile von Managed Care für unser Gesundheitswesen.
Entscheidend ist, dass ein Paradigma-Wechsel stattfindet, d.h. die medizinische Versorgung wird während der ganzen Behandlungs- und Genesungsdauer von einer Hand gesteuert. Die Rolle des sogenannten Gatekeepers ist zentral. Diese Funktion wird durch den Hausarzt /die Hausärztin in einem Versorgungsnetzwerk, durch Ärzte in einer Gemeinschaftspraxis etc. wahrgenommen. Mit dem Patienten/der Patientin zusammen wird die Behandlungsqualität überprüft, garantiert und verbessert. Diverse Studien haben gezeigt, dass dadurch qualitative und auch wirtschaftliche Verbesserungen erzielt werden. Davon profitieren die Patientinnen und Patienten.
Wer sich in einem Netzwerk behandeln lässt und so zur Kostensenkung im Gesundheitssystem beiträgt, soll mit einem differenzierten Selbstbehalt finanziell belohnt werden. So bezahlen Versicherte auf der Basis von Managed Care wie bis anhin 10% der die Franchise übersteigenden Kosten (Selbstbehalt), jedoch max. Fr. 500 pro Jahr (heute Fr. 700), alle anderen Versicherten 15%, maximal Fr. 1‘000 pro Jahr. Die SP hat sich für eine stärkere Belohnung der Managed Care-Modelle eingesetzt, hier ist das Ziel noch nicht erreicht. Zu gross war auch der Wiederstand gegen unsere Forderung, dass die Versicherungen Versorgungsnetzwerke anbieten müssen. Wegen der fehlenden Angebotspflicht wurde jedoch eine Übergangsklausel ins Gesetz genommen. Sie gibt dem Bundesrat die Kompetenz, weitere Massnahmen zur Förderung der integrierten Versorgung zu ergreifen und in Kantonen ohne Netzwerkangebot weiterhin einen Selbstbehalt von 10% festzulegen.
Mit dem deutlich verbesserten Risikoausgleich – einem zentralen Element in der Vorlage – konnte die SP eine entscheidende Forderung durchbringen. Bis jetzt war der Risikoausgleich absolut ungenügend, da er nur Alter und Geschlecht berücksichtigte. Neu wird auch der Gesundheitszustand berücksichtigt. Das verhindert in Zukunft, dass Krankenkassen Jagd auf junge und gesunde Patienten machen können.
Ich bin überzeugt, dass sich die Kosten im Gesundheitswesen nur über die Qualität wirksam steuern lassen. Die Qualität der hausärztlichen Versorgung wird durch Managed Care gestärkt. Insgesamt bringt die Managed Care–Vorlage wichtige Verbesserungen im Gesundheitswesen - die Vorteile überwiegen und sollten nicht preisgegeben werden.
